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LITAUEN

Litauen ist der größte und am stärksten bevölkerte der baltischen Staaten. Das Land hat mit 65.300 km² flächenmäßig etwa vier Fünftel der Größe Österreichs und 3,38 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Wilna (Vilnius), deren barocke Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangte Litauen 1991, am 1. Mai 2004 ist die Republik Litauen der Europäischen Union beigetreten. Seit 2004 ist sie Mitglied der NATO. Am 21. Dezember 2007 ist Litauen dem Schengen-Abkommen beigetreten.

Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Litauer mit ungefähr 80% Anteil an der Bevölkerung, 11% sind Polen und 7% Russen.

Nachdem die Aufnahme in die Eurozone 2007 wegen zu hoher Inflation abgelehnt wurde, rechnet Litauen mit einer Umstellung auf den Euro frühestens 2010. Es wird spekuliert, dass die baltischen Länder 2012 gemeinsam der Währungsunion beitreten.

In der EU-Strukturfondsperiode 2007-2013 stehen Litauen 6,7 Milliarden Euro zur Verfügung, wovon 98% auf das Ziel 1 (Konvergenz) fallen. Die Mittel sollen vor allem in das Programm zur wirtschaftlichen Entwicklung und in die Verbesserung der Infrastruktur fließen.

Litauen liegt in geographischer Hinsicht an der Peripherie der Europäischen Union; es sieht sich selbst als Brücke zwischen West und Ost. Regionalpolitik spielt daher für Litauen eine wesentliche Rolle.

Die Wirtschaft Litauens ist mit einem BIP pro Einwohner von 60,4 % des EU-Durchschnitts (2007) im Vergleich zu anderen 2004 beigetretenen EU-Staaten auf einem relativ niedrigen Niveau. Jedoch entwickelt sich die Wirtschaft in den letzten Jahren durchaus eindrucksvoll. 2006 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 7,7%, 2007 um 8,8%, 2008 immerhin um 6,1%. Für 2009 wird ein weiterer Rückgang erwartet - hauptsächlich wegen des Rückgangs der Inlandsnachfrage.

Der Arbeitsmarkt in Litauen wies 2007 eine Beschäftigungsquote von 64,9% auf und lag damit nur ganz knapp unter dem EU-Durchschnitt von 65,4%. Die Frauenbeschäftigungsquote lag 2007 mit 62,2% jedoch über dem EU-27-Schnitt (58,3%), jedoch unter der von Österreich mit 64,4%. Die Beschäftigungsentwicklung ist seit 2002 positiv. So steigt seit 2002 die Zahl der Beschäftigten fast kontinuierlich an: 2002 um 3,6% , 2007 noch immer um 1,9%. Im Jahr 2008 konnte noch ein geringfügiger Zuwachs verzeichnet werden - 2009 wird mit einem Stagnieren der Beschäftigungszahlen gerechnet. Der Anteil der 15- bis 64-jährigen Erwerbspersonen an der entsprechenden Wohnbevölkerung (Erwerbsquote) lag 2007 bei 67,9%. Damit liegt sie trotz Zuwachs von 0,5% sowohl unter dem EU-27-Wert von 70,5% als auch unter dem österreichischen Wert von 74,7%.

Ein Problem am litauischen Arbeitsmarkt stellt die Schattenwirtschaft dar. Seit dem EU-Beitritt 2004 konnte ihr Ausmaß jedoch reduziert werden.

Seit dem Beitritt zur Europäischen Union 2004 leidet Litauen an der Abwanderung von Arbeitskräften nach Großbritannien (26%), Irland (20%), Deutschland (9%) und Spanien (6%). Die Emigration ist jedoch tendenziell rückläufig; in den letzten Jahren umfasste sie hauptsächlich Familiennachzug zu bereits im Ausland lebenden Angehörigen.

Die Arbeitslosenquote lag im September 2008 bei 4,6% und liegt damit unter dem Durchschnitt der anderen 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten und auch deutlich unter dem Wert der EU-27. Die Arbeitslosenquote bei Männern lag zu dem Zeitpunkt mit 5,4% über dem Vergleichswert der Frauen (3,8%). Im Jahresdurchschnitt 2007 lag die Gesamt-Arbeitslosenquote bei 4,3%. Besonders hervorzuheben sind die auffallend niedrigen Werte bei der Jugendarbeitslosigkeit. Mit 8,2% im Jahresdurchschnitt 2007 lag sie deutlich unter dem Wert der EU-27 (15,3%) und noch immer unter dem österreichischen Vergleichswert (8,7%). Im September 2008 ist die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozentpunkte gestiegen und lag damit bereits bei 12,5%.

Ein Problem stellt der Rückgang des Arbeitskräfteangebots dar: Lohnsteigerungen von 22% im Jahr 2007 sind als Folge davon zu sehen.

Die Beziehungen zwischen Österreich und Litauen sind problemlos und freundschaftlich geprägt. Das Image Österreichs in Litauen ist positiv. Erwähnenswert in dem Zusammenhang ist auch, dass sowohl Linz als auch Vilnius 2009 Europäische Kulturhauptstädte sein werden.

Die Sektion Arbeitsmarkt plant den Aufbau einer bilateralen arbeitsmarktpolitischen Kooperation mit Litauen. Durch Workshops, Seminare, Konferenzen und Exkursionen soll der Informations- und Erfahrungsaustausch gefördert werden und zur Bildung eines tragfähigen Netzwerks für die arbeitsmarktpolitische Zusammenarbeit führen.