ESTLAND
Die Republik Estland ist am 01. Mai 2004 der Europäischen Union beigetreten. Estland ist etwa halb so groß wie Österreich und weist eine Bevölkerung von 1,3 Millionen auf. Die beiden größten Bevölkerungsgruppen sind die Esten mit 69% und die Russen mit 26%.
Die estnische Wirtschaft konnte in den Jahren seit dem EU-Beitritt hohe Wachstumsraten zwischen 7,8 und 10,8 % verzeichnen. Analog dazu stieg aber auch die Inflation sprunghaft auf 6,7% an.
Aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise wird für die Jahre ab 2008 sogar eine Schrumpfung der estnischen Wirtschaft erwartet.
Aufgrund der hohen Inflation konnte der Euro nicht wie geplant zu Beginn des Jahres 2007 eingeführt werden. Die Regierung in Tallinn rechnet nunmehr mit einem Beitritt zur Euro-Zone nicht vor 2012.
In der EU-Strukturfondsperiode 2007-2013 stehen der Republik Estland 3,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon sind 112 Millionen Euro an Mitteln des Europäischen Sozialfonds für die Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes reserviert. Die Hauptthemen am estnischen Arbeitsmarkt sind die Bekämpfung der strukturellen Arbeitslosigkeit, die Reduzierung der geschlechterbedingten Lohnunterschiede sowie die Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz.
Der estnische Arbeitsmarkt weist 2007 eine Beschäftigungsquote von 69,4% auf und liegt damit im Spitzenfeld der EU-27. Dies gilt ebenso für die Frauenbeschäftigung und die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, wobei Estland bei letzterem Indikator hinter Schweden an zweiter Stelle liegt. Auch mit einer Arbeitslosenquote von 4,7% im Jahr 2007 und einer Jugendarbeitslosigkeit von 10% steht das Land im EU-Vergleich gut da.
Im Gegensatz zu anderen 2004 der Europäischen Union beigetretenen Staaten hielt sich die Abwanderung von Arbeitskräften aus Estland in Grenzen, die Bevölkerungsentwicklung ist leicht positiv.
Dennoch führte der EU-Beitritt zu einer raschen Anhebung der Mindestlöhne, welche im Zeitraum von 2004 bis heute um etwa 75% gestiegen sind.
Die Sektion Arbeitsmarkt plant den Aufbau einer bilateralen arbeitsmarktpolitischen Kooperation mit Estland. Durch Aktivitäten wie Workshops, Seminare, Konferenzen und Exkursionen soll der Informations- und Erfahrungsaustausch gefördert werden und zur Bildung eines Netzwerks für die arbeitsmarktpolitische Zusammenarbeit führen.